“Tag der Arbeit” – De Georges Engel “zu Gast” am “Land”

Neiegkeeten, Tribune libre

“Die Gefahr, dass Lohnabhängige und Scheinselbständige, die es nicht riskieren können ihren Job zu verlieren, ausgebeutet werden, ist grö?er denn je.” Dat schreift de Georges Engel a sengem “Zu Gast”-Bäitrag fir “d’Lëtzebuerger Land” – pünktlech zum 1. Mee. Den LSAP-Fraktiounschef ënnersträicht, dass grad elo, a Krisenzäiten, de Staat an der Flicht steet, dofir ze suergen dass d’Rechter vun de Salariéeën an der Praxis respektéiert ginn. De Georges Engel befaasst sech dann e.a. och mat de Léieren, déi aus dëser Kris am Kontext vun der Aarbechtswelt ze zéie sinn a schwätzt sech fir e staarke Sozialdialog aus.

 

 

Tag der Arbeit

 

Kampftag der Arbeiter, Feiertag der Arbeit, Fest der Arbeit… Im Lauf der Geschichte hat sich der Aktionstag der Arbeiterbewegung stark verändert. Die traditionellen Kundgebungen, die mit der Zeit immer weniger Menschen auf die Stra?e brachten, wurden durch ein gro?es Fest ersetzt. Musste dieses 2019 nach dem Tod von Gro?herzog Jean und der anschlie?enden Staatstrauer auf den 9. Mai verschoben werden, so fällt es in diesem Jahr ganz aus. Gewerkschaften müssen sich wohl oder übel damit begnügen, ihre Forderungen digital in Erinnerung zu rufen.

Diese Äu?erlichkeiten sollten auf keinen Fall darüber hinweg täuschen, dass der gemeinsame Kampf für die Rechte der Arbeitnehmer in diesen Zeiten wichtiger ist denn je. Gerade in Krisenzeiten stehen Arbeitnehmerrechte, die über Jahrzehnte hart erkämpft wurden, unter Druck. 12-Stunden Arbeitstage, 60-Stunden Arbeitswochen führen uns direkt in die Anfangszeit der 1. Mai-Demonstrationen zurück, wo Ende des 19. Jahrhunderts für den Achtstundentag gekämpft wurde.

In der aktuellen Krise ist es absolut verständlich und auch hinnehmbar, dass während einiger Wochen wichtige Freiheiten eingeschränkt werden. Diese Ausnahmeregelungen dürfen darüber hinaus jedoch nicht zu einer Aufweichung bestehender Rechte führen.

Arbeitgeber une Arbeitnehmer in einem Boot

Gro?e und kleine Unternehmer, die in den kommenden Monaten schrittweise ihre Aktivitäten wieder aufnehmen können, werden alles daran setzen, die Verluste aus der Krise soweit wie möglich auszugleichen. Für viele steht die Existenz des Betriebes und somit auch der entsprechenden Arbeitsplätze auf dem Spiel. Arbeitgeber une Arbeitnehmer sitzen in einem Boot, da beide Parteien abhängig davon sind, dass « ihr » Unternehmen die Krise überlebt. Allerdings sind die Machtverhältnisse in diesem Boot alles andere als ausgewogen. Flexibilität und Innovationsgeist ist von  beiden Partnern gefordert. Ein funktionierender Sozialdialog ist so wichtig, wie seit Jahren nicht mehr. Aufgabe der Politik ist es, dafür zu sorgen, dass die verstärkte Abhängigkeit der Arbeiter von ihren Brötchengebern dabei nicht zur Aushöhlung der Arbeitnehmerrechte und zum Sozialabbau führt.

Monate harter Arbeit liegen in diesem Sinne vor den Sozialpartnern, denn die Arbeitswelt hat sich von einem Tag auf den andern radikal verändert. Neue, klare Regeln werden notwendig sein, was über die Zeit des Notstandsgesetzes hinaus die Arbeit im Home-Office, Urlaubszeiten, Kollektivurlaub, Kurzarbeit und vieles mehr betrifft. Abweichungen vom bestehenden Arbeitsrecht sind nur dann akzeptabel, wenn Vor- und Nachteile einer Neuregelung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich die Waage halten. Eine nationale Tripartite muss den Rahmen für entsprechende Verhandlungen setzen.

Darüber hinaus steht der Staat in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass Arbeitnehmerrechte in der Praxis respektiert werden. Die Gefahr, dass Lohnabhängige und Scheinselbständige, die es nicht riskieren können ihren Job zu verlieren, ausgebeutet werden, ist grösser denn je. Unternehmen, die auf diese Weise versuchen, sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, müssen hart bestraft werden, nicht zuletzt im Interesse der Betriebe, die die Rechte ihrer Mitarbeiter respektieren.

Selbständige und Arbeiter in der Lebensmittelversorgungskette, Pflegepersonal, Reinigungskräfte, Arbeiter in der Abfallentsorgung, Transporteure, Sicherheitskräfte usw. gehören meistens nicht zu den Besserverdienenden hier im Land. Die sanitäre Krise hat uns jedoch deutlich vor Augen geführt, wie wichtig die Arbeit dieser Menschen für die Gesellschaft ist. Nicht die Einschränkungen des Arbeitsrechtes, sondern die Wertschätzung der Arbeit muss über die Dauer der sanitären Krise hinaus Bestand haben!

Georges Engel