Gesundheits- und Pflegeberufe: Einmalige “Prämien sind gut aber attraktive Laufbahnen sind besser!” – Standpunkt von Yves Cruchten

Neiegkeeten, Tribune libre

Gesundheits- und Pflegeberufe:

Einmalige Prämien sind gut

aber attraktive Laufbahnen sind besser!

 

Es ist ohne Zweifel eine schöne, eine noble Geste. Auch und vor allem in diesen Zeiten, in denen die Pflegekräfte unter Gefährdung ihrer eigenen Gesundheit schier Übermenschliches im Dienste der gesamten Gesellschaft leisten.

Die Rede geht von dem Vorschlag der CSV den Gesundheits- und Pflegeberufen für ihren Einsatz in der aktuellen Krise mit einer einmaligen Prämie zu danken. Ich bin allerdings der Meinung, dass der Vorschlag der Christlich-Sozialen, so schön er auf den ersten Blick auch anmutet, zu kurz greift. Der damit einhergehende finanzielle sowieso, aber vor allem der wohl gewünschte psychologische Effekt werden schnell wieder verpuffen.

In Anbetracht der Schwäche des menschlichen Erinnerungsvermögens – Prämie hin, Prämie her – besteht aus meiner Sicht das nicht geringe Risiko, dass die derzeit hochgelobte Arbeit der Pflegekräfte schnell wieder in Vergessenheit gerät. Der vor der Krise latent geführte Kampf dieser für unser Gesundheits- und Sozialsystem zentral wichtigen Berufsgruppen für mehr Anerkennung, würde in diesem Fall, zu unserer aller Schande, nach der Krise unvermindert fortgeführt werden müssen.

Wir, damit meine ich allen voran die Politik, müssen verhindern, dass die aktuelle Krise vorübergeht, ohne dass daraus die auch und vor allem für den Pflegesektor unabdingbaren Lehren gezogen werden. Es ist höchste Zeit für die von den Gewerkschaften geforderte gründliche Analyse der Lage in der Kranken- und Alterspflege. Zwar wurden die Laufbahnen bereits im Jahr 2018 im Schnitt um 12% angehoben. Dennoch bin ich der Meinung, dass eine Aufwertung der entsprechenden Laufbahnen eine dieser Lehren sein muss. Krankenpfleger- und Krankenpflegerinnen z.B. haben zumeist eine Ausbildung, die einem „Bac +4“ entspricht. Dennoch werden sie nach wie vor nicht in der Bachelor-Laufbahn bezahlt. Die entsprechenden, legislativen Arbeiten müssen schnellstmöglich beginnen.

Jetzt wäre meiner Meinung dann auch der richtige Moment um die Weichen für mehr Gerechtigkeit, lies für einen einzigen Tarifvertrag für alle Pflegeberufe, zu stellen.

Applaus von den Balkonen, in Wohnungsfenstern angebrachte oder auf den sozialen Medien gepostete Danksagungen sind wirklich lobenswert und eine wichtige moralische Stütze für die entsprechenden Berufsgruppen. Auch die von der CSV geforderte einmalige Prämie im Gesundheitssektor ist gut gemeint (aber dann bitte auch für andere während der Krise relevanten Berufsgruppen im öffentlichen Dienst und der Privatwirtschaft!). Mit einer Aufwertung der Karrieren (und der Einführung eines einzigen, für den gesamten Sektor gültigen Kollektivertrages) würde aber ein dauerhaftes Zeichen der Anerkennung gesetzt.

Ein positiver „Nebeneffekt“ wäre sicherlich, dass die mit sehr viel persönlichem Engagement verbundenen Berufe im Pflegesektor auf diese Weise für junge Menschen in unserem Land auch wieder attraktiver würden.

Lasst uns die, die heute für uns den Kopf herhalten nicht bloß mit einer einmaligen Prämie „abspeisen“!

Yves Cruchten
LSAP-Präsident